Der erste Augen(Blick)

Ein Powernap von 20 Minuten reicht aus um wieder fit und wach zu werden, sagt mein Papa immer. Sobald man länger schläft, wird es schwer wieder in Gang zu kommen.
Wenn ich nach meinem Mittagsschlaf, welcher meistens länger als 20 Minuten dauerte, die Augen aufgemacht habe, wusste ich manchmal nicht wo ich bin oder wie spät es gerade ist. Ich glaube dieses Gefühl kennt jeder der gern mal ein Mittagsschläfchen macht.
Aber was ich eigentlich sagen wollte: Aufgrund meiner schweren Verletzungen wurde ich ein paar Tage ins künstliche Koma gelegt. Meine Eltern meinten, sie holten mich immer mal wieder zurück um ein paar Tests zu machen, „schläferten“ mich dann aber wieder ein. Ich kann nicht sagen ob ich davon etwas mitbekommen habe. Mein Gefühl für die Zeit war ausgeschalten, wie nach einem sehr langen Mittagsschlaf. Ich kann nichts, was die ersten Tage passiert ist, zeitlich einordnen. 
Aber als ich das erste mal die Augen öffnete wusste ich merkwürdiger Weise sofort – ich liege im Krankenhaus, irgendwas ist passiert, irgendwas stimmt nicht!
Doch was war wirklich das erste was ich mitbekommen hab? Was waren meine ersten Worte? Was ging in meinem Kopf vor? Das alles frage ich mich Tag für Tag, doch eine genaue Antwort fällt mir nicht ein. Wie kann es sein, dass fast eine komplette Woche aus meinem Gedächtnis gelöscht wurde?
Wenn ich versuche mich an den ersten Augenblick zu erinnern, sehe ich ein großes helles Zimmer und eine kräftige Schwester mit blonden kurzen Haaren. Außerdem einen kleinen dunkelhaarigen Pfleger mit Bart. Das dritte Bild, welches in meinem Kopf schwirrt, besteht aus meiner Familie – Mama, Papa, Onkel und Tante. Wen und was ich davon aber als erstes gesehen habe kann ich nicht sagen. Es sind nur einzelne Bilder die durch mein Kopf geistern, als hätte ich nur mal kurz die Augen geöffnet und einen kurzen Blick gewagt.

Mehrere Tage habe ich mich mit meinen Eltern unterhalten und sogar eine Sprachnachricht für meine Schwester und meine Freunde aufgenommen. Aus Erzählungen weiß ich, dass ich ganz langsam und ordentlich gesprochen habe. Meine Worte waren sehr ausgewählt und meine Familie hat mich nicht wiedererkannt. So feine Worte gab es in meinem Wortschatz sonst selten. Für meine Eltern war dies gruselig, mittlerweile können wir aber drüber lachen. Es hat sich ja wieder normalisiert.

Die zweite Woche auf der Intensivstation verbrachte ich dann in einem Zweibettzimmer, ich bekam sogar einen Fensterplatz. Meine Familie besuchte mich jeden Tag und versorgte mich mit leckerem Essen. Die Flüssignahrung über meine Magensonde kam nicht an das Essen von Mama oder Oma ran, außerdem kratzte sie fürchterlich im Hals.
Nach und nach wurden immer mehr Kabel und Flexülen aus meinem Körper entfernt und ich wurde immer aufmerksamer und wacher. Zu dem Zeitpunkt habe ich allerdings noch nichts vom dem was passiert ist realisiert. Ich war einfach froh meine Familie zu sehen und nach dem Besuch meinen Rausch weiter ausschlafen zu können.

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Das erste Bild machte ich heimlich mit meinem iPad. Meine Stirn war offen, meine Augen blau und alles war geschwollen. Eigentlich hätte mir das Lachen gleich wieder vergehen müssen. Wahrscheinlich aber war ich zu high um zu realisieren wie ich aussehe und was genau eigentlich passiert ist.

Bis jetzt wusste ich noch immer nicht was geschehen ist und welche schwerwiegenden Verletzungen ich mir eingebrockt habe!!
Maria

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2 Comments

  1. Peggy

    Liebe Maria, hier ist Peggy. Ich arbeite mit Deinen Papa zusammen. Vielleicht kennst Du mich ja.
    Ich finde es ganz toll, dass Du diese Seite hast. Sie wird vielen Betroffenen und vielleicht noch Betroffen – Werdenden helfen. Du bist ein kleines Vorbild für mich und immer wenn ich mal nicht so gut drauf bin, denke ich an Dich – das ist wirklich so. Du hast eine ganz tolle Familie und einen tollen Papa. Ein lieber, guter Mensch. Ich habe gedacht, als ich von Deinen Unfall hörte, warum Frank. Und ich habe sehr geweint und mitgelitten. Wir reden oft miteinander , im Laufe der Zeit (von 20 Arbeitsjahren) kennt man sich halt.
    Und ich muss Dir sagen, dass ich mir nicht nur Sorgen um Dich sondern auch um Deine ganze Familie gemacht habe. Ich glaube die Stärke hast Du wohl eher von Mama. 🙂
    Das ist gut. Du sollst wissen das die Kraft die Du hast, deinen Papa sehr hilft, ich glaube er wäre sonst verrückt geworden. Die Sorge um ein Kind ist das Schlimmste.
    Ich kann das sagen, meine Tochter hat damals Ihren Freund durch einen Motorradunfall verloren.
    Und ich kann definitiv sagen, dass nichts schlimmer ist als der Tod.
    Ich habe gelesen das, das Gehirn wenn es auf positiv programmiert ist wie bei Dir, viel schneller – alles im Körper heilt. Du siehst mental wird real, dass ist auch mein Lebensmotto.
    Du bist eine unglaublich starke junge Frau und Du wirst Dein Leben meistern, dass weiß ich.
    Ich habe mit Deinen Papa schon gewettet, dass wir auch Deinen Berufsabschluss einen trinken werden.
    ich verbleibe mit ganz lieben Grüßen
    Peggy, ich hoffe ich höre von Dir
    Du wirst Deinen Weg gehen, der Mensch weiß gar nicht wozu er imstande ist.
    Du schreibst sehr gut, ich glaube das wäre auch etwas für Dich.

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  2. Peggy

    Hallo Maria ich noch mal aus dem Bettchen ich bin schon ganz gespannt wie es weiter geht in deinen Block. Das Krankenhaus müsste so was unter allen Betroffenen untereinander azch anbieten um Mitbetroffenen Mut zu machen hab ich mir überlegt und um sich auch untereinander auszutauschen. Ich hoffe das sich auch Menschen deinen Blog anschließen die ähnliches erlebt haben und so Mut bekommen ihr leben zu meistern. Gute Nacht meine

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