I’m in the army now …

UNGLAUBLICH,ATEMBERAUBEND, KOMISCH, ANDERS, SCHWER, UNNORMAL, HAMMER, ROBOTERMÄßIG … mir würde noch viel mehr einfallen. Nichts aber kann dieses Gefühl auch nur ansatzweise beschreiben. Ich kann es einfach nicht in Worte fassen. Eine so vertraute Bewegung wird auf einmal zu etwas so Besonderem. Zu etwas wahnsinnig Anstrengendem und zugleich zu etwas so Schönem. Ich rede vom LAUFEN. Es ist eine Sache über die ich mir nie Gedanken gemacht habe. Es passiert einfach. Schritt für Schritt. Man denkt nicht darüber nach sondern macht es einfach. Ja … das ist jetzt leider nicht mehr so einfach.

Das spektakuläre Teil, mit dem ich jetzt trainieren darf, nennt sich Exoskelett. Eine Art Roboteranzug, welcher Querschnittgelähmten das Gehen ermöglichen kann. Bis jetzt habe ich sowas nur in Filmen gesehen oder bei militärischen Einsätzen der Armee. Es gibt nicht viele Kliniken mit so einem modernen Therapiegerät, weil es locker 100.000 Euro kosten kann. Umso glücklicher bin ich, hier in Halle zu liegen. Als ich dann auch noch als Patient für dieses Teil vorgeschlagen wurde, konnte ich es kaum erwarten, denn nicht jeder Patient ist dafür geeignet. Alle meine Brüche sind verheilt, mein Oberkörper ist stabil genug, meine Arme sind kräftig und mein Ehrgeiz ist umso größer.

Am Dienstag wurden meine Maße genommen, da das Gerät speziell auf mich angepasst werden muss. Außerdem wurde geguckt, ob ich überhaupt allen Voraussetzungen entspreche. Meine Oberschenkel müssten optimalerweise noch 5 cm länger sein. Die Therapeuten wollten es aber trotzdem versuchen.

Mittwoch war es dann so weit. Ich konnte den ganzen Tag an nichts anderes denken. Meine Vorfreude war riesig, trotzdem hatte ich Angst. Oder nennen wir es lieber Respekt. Ich hatte Respekt vor diesem Gerät, in das ich nun geschnallt wurde. Das Exo „saß“ in einem eigenen Rollstuhl, in den ich mich setzen musste. Sowohl meine Beine als auch mein Oberkörper wurden festgeschnallt.


img_4162Das Exoskelett steht automatisch auf sobald ein Therapeut den Startschuss gibt. Durch eine Gehbank konnte ich mich aufstützen. Wir machten ein paar Gleichgewichtsübungen und dann ging es los. Durch Gewichtsverlagerung wird dem Exo mitgeteilt, dass es einen Schritt machen soll. Verlagere ich mein Gewicht nach links,
macht der rechte Fuß einen Schritt. Und andersrum. Ich musste mich richtig konzentrieren um einen einigermaßen reibungslosen Bewegungsablauf ermöglichen zu können. Es war schwer im Rhythmus zu bleiben und nicht zu schnell zu werden. Mehrmals mussten die Therapeuten mich bremsen. Insgesamt habe ich ca. 450 Schritte zurückgelegt und war danach völlig außer Puste. Das Exo wiegt ca. 20 Kilo und das muss man erstmal tragen.

Leider ist das Laufen noch nicht für den Alltag gedacht, sondern dient erstmal nur Therapiezwecken. Dort hat es aber enorme Wirkungen. Es ist gut für den Körper, zum Beispiel für die Verdauung, den Kreislauf, die Knochen und Muskeln. Aber besonders gut ist es für meinen Kopf und meinen Geist. Ich konnte es gar nicht wirklich realisieren und musste anfangs auch etwas weinen – Freudentränen! Das Laufen hat sich so unglaublich, atemberaubend, komisch, anders, schwer, unnormal, hammer und robotermäßig zugleich angefühlt.

Ich freue mich total, dass ich jetzt jede Woche mit dem Exo laufen darf! 

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